Die Industrie zieht an, die Digitalisierung bremst. Was das für kleine Fertiger bedeutet
Der HCOB-Einkaufsmanagerindex für das deutsche verarbeitende Gewerbe steht im Juli 2026 bei 52,2 Punkten, die Produktion wächst so schnell wie zuletzt im Februar 2022. Gleichzeitig zeigt der KfW-Digitalisierungsbericht, dass nur noch 30 % der Mittelständler Digitalisierungsvorhaben umsetzen, so wenige wie vor der Pandemie. Und 62 % der Betriebe mit 10 bis 49 Beschäftigten arbeiten ohne ERP. Der Aufschwung trifft auf Datensilos.
3. August 2026 · Bartek Liszkowski
Führen Sie einen Fertigungsbetrieb mit einigen Dutzend bis zweihundert Beschäftigten? Dann beschreibt dieser Text mit einiger Wahrscheinlichkeit auch Ihren Betrieb. Ich schreibe darüber, weil die Zahlen der letzten Berichte ein Muster zeigen, über das in der Fertigung selten laut gesprochen wird.
Zahlen, die man kennen sollte
Der KfW-Digitalisierungsbericht Mittelstand, veröffentlicht im April 2026, zeigt einen Rückgang: nur noch 30 % der mittelständischen Unternehmen haben zuletzt Digitalisierungsprojekte umgesetzt, so wenige wie vor der Pandemie. Auch die Ausgaben dafür sinken. Der Abstand zwischen großem und kleinem Mittelstand bleibt groß.
Konkreter wird es bei den Systemen. Nach Eurostat-Zahlen für 2025 arbeiten 62 % der Betriebe mit 10 bis 49 Beschäftigten ohne ERP. Im verarbeitenden Gewerbe insgesamt liegt der ERP-Einsatz bei 63 %, Business-Intelligence-Werkzeuge nutzen dort nur 16 %. Anders gesagt: In den kleinen Betrieben liegen die Zahlen nach wie vor in Dateien statt in einem System.
Die DIHK-Digitalisierungsumfrage 2026 benennt die technischen Hürden mit drei Begriffen, die jeder Betriebsleiter kennt: gewachsene IT-Landschaften, Insellösungen und Medienbrüche. Die Selbsteinschätzung des eigenen Digitalisierungsgrades liegt bei einer Schulnote von 2,8. Es fehlt also selten an Software. Es fehlt daran, dass die vorhandene Software miteinander spricht.
Wie Datensilos von innen aussehen
Aufträge kommen per E-Mail und landen in einer Excel-Datei im Vertrieb. Der Produktionsplan ist die zweite Datei, geführt vom Schichtleiter. Die Bestände sind die dritte, aktualisiert „wenn gerade Zeit ist“. Die Fertigungsaufträge gehen auf Papier in die Halle. Und das Wichtigste, nämlich der Stand eines konkreten Auftrags, steckt im Kopf einer Person, die gerade im Urlaub ist.
Jedes dieser Teile funktioniert für sich. Das Problem ist, dass sie nicht miteinander reden. Dieselbe Information wird drei- oder viermal abgetippt, und jedes Abtippen ist eine Gelegenheit für einen Fehler. Für die einfache Frage „was haben wir an diesem Auftrag verdient“ braucht die Geschäftsführung eine kleine Besprechung.
Warum das im Aufschwung mehr kostet als in der Flaute
Der HCOB-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe steht im Juli 2026 bei 52,2 Punkten, nach 50,3 im Juni. Die Marke liegt bei 50: darüber wächst die Branche, darunter schrumpft sie. Die Produktion legt so kräftig zu wie zuletzt Anfang 2022. S&P Global weist allerdings darauf hin, dass ein Teil davon auf vorsorglichen Lageraufbau zurückgeht statt auf frische Nachfrage.
Genau das macht die Lage heikel. Wenn Aufträge hereinkommen, deckt die Auslastung das Durcheinander in den Daten zu. Wer im Aufschwung wächst, ohne zu wissen, welcher Auftrag verdient und welcher nur beschäftigt, skaliert auch seine Verluste mit. Und diese Rechnung lässt sich nicht aufmachen, solange die Daten in vier Dateien und einem Notizbuch in der Halle liegen.
Keine IT-Abteilung? Diese Hürde lässt sich umgehen
Fachkräfte für IT sind knapp, und ein Betrieb mit einigen Dutzend Beschäftigten baut in der Regel keine eigene IT-Abteilung auf. Er will es auch nicht.
Und das ist völlig in Ordnung. Um aus den Datensilos herauszukommen, braucht ein Betrieb mit 20 bis 250 Beschäftigten einen Ort, an dem Auftrag, Fertigungsauftrag, Lager und Abrechnung dieselbe Information sind, einmal erfasst. Ohne eigene IT-Abteilung und ohne ERP-Einführung über zwei Jahre, nach der die Hälfte der Funktionen brachliegt.
Genau solche Anwendungen baue ich: zugeschnitten auf den Prozess, der im Betrieb bereits läuft. Das System passt sich dem Betrieb an, und auf Kundenseite bleibt das schlichte Benutzen.
Womit anfangen
Mit drei Fragen, noch bevor Sie sich irgendein System ansehen:
- Welche Information wird bei uns mehr als einmal von Hand übertragen?
- Auf welche Geldfrage (Marge je Auftrag, Kosten eines Stillstands) habe ich heute keine Antwort in fünf Minuten?
- Was passiert, wenn die Person, die alles im Kopf hat, kündigt oder ausfällt?
Die Antworten darauf sind bereits die Prioritätenliste für die Digitalisierung. Meist zeigt sich, dass nicht alles auf einmal digitalisiert werden muss. Es reicht, mit dem Prozess anzufangen, der am meisten wehtut, und das System im Takt des Betriebs zu erweitern.
Wenn Sie sehen wollen, wie das bei Ihnen aussehen könnte, schreiben Sie mir. Das erste Gespräch beginne ich immer mit der Prozessanalyse.
Quellen: KfW-Digitalisierungsbericht Mittelstand 2025, DIHK-Digitalisierungsumfrage 2026, Eurostat, ERP-Einsatz in Unternehmen 2025, HCOB Germany Manufacturing PMI, Juli 2026.
Häufige Fragen zu Datensilos in der Fertigung
Was sind Datensilos in einem Fertigungsbetrieb?
Wie viele kleine Betriebe arbeiten ohne ERP?
Womit beginnt die Digitalisierung eines kleinen Fertigungsbetriebs?
Brauche ich dafür eine eigene IT-Abteilung?
30 Minuten buchen oder eine Nachricht schreiben.
Das erste Gespräch ist für mich ein ruhiges Kennenlernen. Ich prüfe, ob ich überhaupt helfen kann. Keine Folien, kein Verkaufsdruck. Wenn ich sehe, dass es nicht passt, sage ich es direkt.
Lieber schreiben?
Beschreiben Sie kurz, worum es geht - ich antworte innerhalb eines Arbeitstages. Oft schneller.
Telefon +48 601 789 966 - Sie können anrufen, ich nehme selbst ab.